„Nicht umgebracht ist genug geholfen“ – ein sehr zynisches Statement von Herrn Böhmermann, einem Gegner der Naturheilkunde, wenn man die Geschichte der Schulmedizin betrachtet
(https://www.zdf.de/video/shows/zdf-magazin-royale-102/zdf-magazin-royale-vom-19-dezember-2025-100).
Historisches
In Griechenland entstand etwa 500-400 v. Chr. die Säfte-Lehre, laut der alle Krankheiten das Resultat eines Ungleichgewichts der vier Säfte (gelbe Galle, schwarze Galle, Blut und Schleim) wären. Entsprechend beschränkte sich die ärztliche Tätigkeit auf das Erkennen der Verhältnisse und des Zustandes der vier Säfte und deren Behandlung mittels Aderlass, Brech- und Abführmitteln. Im Mittelalter wurde diese Humoralpathologie ergänzt durch astrologische Spekulationen. Dies stellte wohlgemerkt nicht die Naturheilkunde, sondern die universitäre Lehrmeinung an den medizinischen Fakultäten bis ins 19. Jahrhundert dar.
Bis heute ist auf dem Siegel der Universität Leipzig ein Uringlas zu sehen. In diesem wurde dem Arzt der Urin eines Patienten präsentiert, anhand dessen er (ohne den Patienten zu sehen, geschweige denn zu untersuchen) mithilfe von Geburtsdatum und aktueller Sternenkonstellationen Diagnose und Therapie festlegte. Man kann sich vorstellen, dass die ärztliche Behandlung unter solchen Vorzeichen oft tödlich endete. Aderlässe bis hin zum Verbluten waren keine Seltenheit, sondern eher die Regel. Das fanden die meisten Mediziner damals aber nicht besonders schlimm, da sie ja nach dem Tod des Patienten den Leichnam sezieren durften – und dafür auch bezahlt wurden.
(„Heilung Nebensache – eine kritische Geschichte der europäischen Medizin von Hippokrates bis Corona“, Dr. med. Gerd Reuther, Riva-Verlag)
Christoph Wilhelm Hufeland (1762 – 1836) und Samuel Hahnemann (1755 – 1843) waren die im deutschsprachigen Raum einflussreichsten Gegner der schulmedizinsch propagierten Säfte-Lehre, da ihnen die vielen Todesfälle unter ihren Patienten zu nahe gingen. Sie entwickelten jeweils ein eigenes Behandlungssystem, das die Selbstheilungskräfte und deren sanfte Unterstützung in den Mittelpunkt stellten; Hufeland entwickelte die Lebenskraft-Theorie und gilt als Begründer der Makrobiotik, während Hahnemann die Homöopathie begründete.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Wilhelm_Hufeland, https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Hahnemann)
Ab etwa 1800 nahm der Einsatz von Opium als Therapeutikum in der Schulmedizin stark zu; mit der Einführung von Injektionsspritzen in das ärztliche Instrumentarium nahm der Opium-Missbrauch in Gesellschaftsschichten, die sich eine ärztliche Behandlung leisten konnten, weiter Fahrt auf – eine Entwicklung, bei der sich einem mit dem Wissen um das Abhängigkeitspotential die Haare sträuben. Ärzte waren damals im Prinzip Drogendealer mit Universitätsabschluss, die den Patienten die Droge auch noch selbst verabreichten. Auch bei anderen Verfehlungen der Schulmedizin kann man aus heutiger Sicht nur den Kopf schütteln und sich fragen, wie viele Patienten dadurch sterben mussten.
(https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0029-1243067?device=desktop&lang=de)
Der Semmelweis-Reflex
Und dann sind da noch die vielen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Schulmedizin nicht nur ignoriert, sondern aktiv bekämpft hat, z. T. mit katastrophalen Folgen für die Patienten. Genannt sei hier exemplarisch die Entdeckung von Ignaz Semmelweis (1818 – 1865), der das häufigere Auftreten von Kindbettfieber in öffentlichen Kliniken im Vergleich zur privaten Entbindung auf mangelnde Hygiene bei Ärzten und Krankenhauspersonal zurückführte. Seine Studie von 1847/48 gilt heute als erster praktischer Fall von evidenzbasierter Medizin (auf empirische Belege gestützte Heilkunde) in Österreich und als Musterbeispiel für eine methodisch korrekte Überprüfung wissenschaftlicher Hypothesen.
Zu seinen Lebzeiten wurden seine Erkenntnisse, von ihm 1861 publiziert, nicht anerkannt und von Kollegen als „spekulativer Unfug“ abgelehnt. Semmelweis nannte diejenigen, die weiterhin ihren Studenten und Ärzten erlaubten, direkt vom Seziersaal in den Kreissaal zu gehen und Geburtshilfe zu leisten, ohne sich vorher die Hände zu desinfizieren, Mörder. Er wurde im Alter von 47 Jahren gegen seinen Willen in die Psychiatrie eingewiesen, wo er zwei Wochen später unter sehr merkwürdigen Umständen starb (offizielle Todesursache war eine Blutvergiftung, bei der Exhumierung 1963 wurden jedoch multiple Frakturen an Armen, Händen und Brustkorb festgestellt, die im damaligen Obduktionsbericht nicht erwähnt worden waren).
Der im englischen Sprachraum bekannte Begriff Semmelweis-Reflex beschreibt die „unmittelbare Ablehnung einer Information oder wissenschaftlichen Entdeckung ohne weitere Überlegung oder Überprüfung des Sachverhaltes“. In vielen Fällen hatte die wissenschaftliche Leistung dann eher eine Bestrafung als eine entsprechende Honorierung zur Folge. Tatsächlich wurde die Händedesinfektion vor Betreten des Kreissaals sofort nach Semmelweis` Tod abgeschafft, nur um 1858 wieder eingeführt zu werden, da man schlussendlich doch gemerkt hat, dass die Händedesinfektion zwischen Leichenschau und Geburtshilfe lebensrettend war. Bis dahin starben weiter eine von sechs im Krankenhaus gebärenden Frauen an Kindbettfieber.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Semmelweis)
Die Evidenzbasierte Medizin
Nun könnte man ja sagen: das war früher, heute haben wir die Evidenzbasierte Medizin (EbM). Dabei sollte man aber im Blick behalten, dass die erste Placebo-kontrollierte Studie 1931 durchgeführt wurde. Zulassungsstudien für Medikamente wurden 1962 nach dem Contergan-Skandal eingeführt und in Deutschland erst 1976 zur Pflicht. Einheitliche Verfahren zur Medikamentenzulassung gibt es in der EU seit 1995, wobei die Zulassungsbedingungen schon 2007 wieder aufgeweicht wurden.
(„Heilung Nebensache – eine kritische Geschichte der europäischen Medizin von Hippokrates bis Corona“, Dr. med. Gerd Reuther, Riva-Verlag)
Wir wollen explizit nicht unterstellen, dass Ärzte wissentlich Schaden anrichten – nein. Der Großteil der Ärzte hat den Anspruch an sich selbst, ihren Patienten zu helfen und nicht zu schaden. Diese Ärzte sind jedoch angewiesen auf gute Informationen, und die Datenlage ist nicht zuverlässig. Die beste Ausbildung und die beste Intention verhindern keinen Schaden, wenn die Leitlinien, anhand derer Ärzte Entscheidungen treffen, nicht auf einer sauber und unabhängig erhobenen und ausgewerteten Datenlage erstellt werden.
Tatsächlich basieren weniger als 20 Prozent des schulmedizinischen Goldstandards wirklich auf belastbarer Evidenz – der Rest ist immer noch Erfahrungsmedizin, und im Falle neuer Medikamente oder Behandlungsmethoden noch nicht mal das. In der Kardiologie beruhen nur 11% der Empfehlungen in den Leitlinien auf EbM Level A, in der Onkologie sogar nur 6%. Für alle anderen Fachgebiete liegt der Empfehlungslevel A in den Leitlinien und den darauf basierenden Handlungsempfehlungen im entsprechenden Fachgebiet unter 5 %.
(Tricoci P, Allen JM, Kramer JM, Califf RM, Smith SC, Jr. Scientific evidence underlying the ACC/AHA clinical practice guidelines. JAMA. 2009;301(8):831-41, doi: 10.1001/jama.2009.205; Poonacha TK, Go RS. Level of scientific evidence underlying recommendations arising from the National Comprehensive Cancer Network clinical practice guidelines. J Clin Oncol. 2011;29(2):186-91, doi: 10.1200/JCO.2010.31.6414)
Aktuelle Fakten
Die Zulassungsstudien für Medikamente erweisen sich im Nachhinein regelmäßig als unzureichend bezüglich der Sicherheitsdaten. Bekanntestes Beispiel aus der Vergangenheit ist das eben erwähnte Contergan, das so „sicher“ war, dass es Schwangeren verschrieben wurde und zum Entsetzen der verschreibenden Ärzte eine Generation von Kindern mit verkürzten oder fehlenden Gliedmaßen hervorgebracht hat. Das aktuellste Beispiel sind die „sicheren und effektiven Corona-Impfstoffe“, die „die Übertragung verhindern“ und damit die 2G/3G-Regel begründeten. Sie wurden nicht zur Verhinderung von Übertragungen entwickelt, nicht daraufhin getestet und sind dafür auch nicht zugelassen. Als „nebenwirkungsfrei“ kann man sie nach 63.909 beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldeten Verdachtsfällen auf schwerwiegende Nebenwirkungen und 3.717 Verdachtsfällen mit tödlichem Ausgang nicht bezeichnen
(https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/bulletin-arzneimittelsicherheit/einzelartikel/2025-covid-19.pdf?__blob=publicationFile&v=7).
Davon kann insbesondere die Post-Vac-Ambulanz am Universitätsklinikum Marburg berichten, auf deren Warteliste tausende Menschen bis zu einem Jahr auf einen Termin warten (https://healthcare-mittelhessen.eu/neue-hoffnung-fuer-long-covid-betroffene). Leider gibt es kein funktionierendes Behandlungskonzept und die Patienten werden oft an die Kollegen in der Psychosomatik verwiesen. Das Mittelalter ist leider noch nicht vorbei in der Schulmedizin.
Leider ist das nur die Spitze des Eisberges: Laut der Jahresstatistik des Medizinischen Dienstes haben Gutachter des Medizinischen Dienstes im Jahr 2024 12.304 Sachverständigengutachten zu Behandlungsfehlervorwürfen erstellt: In ca. 30 Prozent der Fälle (3.731 Fälle) wurde ein Behandlungsfehler bestätigt; in 23 Prozent der Fälle (2.825 Fälle) war der Fehler ursächlich für den erlittenen Schaden der Patientinnen und Patienten. In 75 Fällen führte der Fehler zum Tod. 134 Fälle waren sogenannte „Never Events“, also etwa schwerwiegende Medikationsfehler, vergessene Fremdkörper nach Operationen oder Patientenverwechslungen.
Zwei Drittel aller erhobenen Behandlungsfehlervorwürfe beziehen sich laut MD auf Leistungen in der stationären Versorgung, meist in Krankenhäusern (7.960 Fälle), ein Drittel auf den ambulanten Bereich (4.312 Fälle). Nach Fachbereichen gegliedert betrafen 29,8 Prozent der Vorwürfe (3.664 Fälle) die Orthopädie und Unfallchirurgie, 11,5 Prozent die Innere Medizin und Allgemeinmedizin (1.402 Fälle), 8,9 Prozent die Frauenheilkunde und Geburtshilfe (1.097 Fälle), 8,4 Prozent die Zahnmedizin (1.040 Fälle) und 7,9 Prozent die Allgemein- und Viszeralchirurgie (971 Fälle). Nur 6,7 Prozent der Vorwürfe bezogen sich auf die Pflege (827 Fälle)..
Dabei wird bereits in der Einleitung erwähnt, dass die Dunkelziffer sehr viel höher ist. Die OECD schätzt, dass bis zu 15% der Krankenhausausgaben in den Industrieländern auf die Behandlung von Komplikationen infolge vermeidbarer Fehler entfallen
( https://md-bund.de/fileadmin/dokumente/Pressemitteilungen/2025/2025_10_30/Jahresstatistik_2024_Behandlungsfehler_BF.pdf).
Laut dem AOK-Krankenhausreport von 2014 erleiden rund 190.000 Patienten pro Jahr Schäden durch Behandlungsfehler, etwa 19.000 Patienten pro Jahr sterben an diesen Behandlungsfehlern. Um diese Zahlen in Relation zu setzen: Das sind jedes Jahr rund fünf mal so viele Todesfälle durch Behandlungsfehler wie Todesfälle durch Verkehrsunfälle. Die Zahl der unerwünschten vermeidbaren Behandlungsfehler liegt laut der AOK bei bis zu 720.000.
(https://www.wido.de/publikationen-produkte/buchreihen/krankenhaus-report/2014/)
Laut dem Deutschen Ärzteblatt sterben jedes Jahr etwa 30.000 Patienten an Krankenhauskeimen. Diese Krankenhauskeime haben durch häufigen und falschen Einsatz von Antibiotika sowohl im ambulanten Bereich als auch in der Landwirtschaft Resistenzen gegen viele gängige Antibiotika entwickelt und sind deshalb nur sehr schwer zu behandeln.
(https://www.aerzteblatt.de/archiv/krankenhaushygiene-jaehrlich-30-000-toedliche-infektionen-a0801143-e15d-4fea-a13e-d2e27a4543f6)
Etwa 2,5 bis 10,6% der Aufnahmen in Europa sind auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen.
(https://www.msdmanuals.com/de/profi/klinische-pharmakologie/konzepte-der-pharmakotherapie/unerw%C3%Bcnschte-arzneimittelwirkungen, Chenchula S, Atal S, Uppugunduri CRS. A review of real-world evidence on preemptive pharmacogenomic testing for preventing adverse drug reactions: a reality for future health care. Pharmacogenomics J. 2024;24(2):9. Published 2024 Mar 15. doi:10.1038/s41397-024-00326-1)
Das bedeutet, dass es Schätzungen zufolge zu 16.000 bis über 50.000 Todesfällen pro Jahr durch Medikamenten-Neben- und Wechselwirkungen in Deutschland kommt, wobei ältere Berichte von bis zu 25.000 Todesfällen sprechen und eine neuere Quelle sogar 58.000 nennt; viele Fälle entstehen durch Wechselwirkungen bei Polymedikation und wären vermeidbar, so Gesundheitsorganisationen wie die Barmer. Dazu kommt noch die fehlende Nachzulassung von Altpräparaten, die nie nach heutigen Standards getestet wurden. (Todesfälle vermeiden: Behandlungen mit Medikamenten transparenter machen | BARMER, https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/mensch/gesundheit-2030/zukunft-gesundheitswesen/sicherheit-in-der-arzneimitteltherapie-1229090)
Gerinnungshemmer, Antibiotika und dämpfende Psychopharmaka sind die drei Wirkstoffklassen, zu denen in den vergangenen Jahrzehnten am häufigsten Nebenwirkungen gemeldet wurden. Das zeigt eine Auswertung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist. Das sind nun aber leider auch die am häufigsten verschriebenen Medikamente, was jeden, der zum Arzt geht, beunruhigen sollte.
(https://www.aerzteblatt.de/news/nebenwirkungen-die-am-haeufigsten-verdaechtigten-arzneimittelgruppen-8771958c-cb4e-42ca-b8bc-838e6c7933da)
Unterschiedliche Bewertungen
Tatsächlich muss man ganz klar feststellen: die vielen Schäden und Todesfälle durch schulmedizinische Behandlungen werden flächendeckend in den Medien als unvermeidlich dargestellt und bagatellisiert, während jeder auch noch so konstruiert wirkende Fall von Schädigungen durch eine naturheilkundliche Behandlung in den Medien aufgebauscht und von Politikern zur Profilierung missbraucht wird.
Beispielsweise musste die Firma Bayer die Packungsbeilage des bewährten pflanzlichen Heilmittels Iberogast nach nur einem (!) Todesfall, der noch nicht mal nachweislich auf Iberogast zurückgeführt werden konnte, um Warnhinweise ergänzen, um die Marktzulassung zu behalten. Um das zu verdeutlichen: bei einem Leber-transplantierten Patienten soll die transplantierte Leber angeblich durch ein pflanzliches Mittel und nicht durch die obligatorischen Immunsuppressiva Schaden genommen haben, und daraufhin wurde (auf Betreiben einer Grünen-Politikerin) Druck ausgeübt, dass Iberogast vom Markt genommen werden müsse.
(https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/bayer-muss-iberogast-packungsbeilage-nach-todesfall-aendern-15784128.html)
Dem gegenüber stehen etwa 3.000 Todesfälle pro Jahr durch Aspirin allein in Deutschland – und niemand fordert, dass Aspirin vom Markt genommen wird (https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2017/daz-27-2017/3000-ass-todesfaelle-pro-jahr). Das Ausmaß der Doppelmoral ist atemberaubend.
Fazit
UNESCO-Kulturschutz verdient die Schulmedizin nun wirklich nicht bei diesen Todeszahlen. Oder um es mit den Worten des unvergleichlichen Volker Pispers zu sagen: „16.000 sterben jedes Jahr durch Ärztepfusch. Ist das nicht eine Zahl, die Sie fasziniert? Die deutschen Ärzte erlegen jedes Jahr 16.000 Patienten. Das sind 43 Tote am Tag – da muss so ein Al Qaeda Kämpfer lang dran stricken! Das macht der Marburger Bund in der Streik-Pause.“ Politisches Kabarett vom feinsten – da könnte Herr Böhmermann noch so einiges lernen.
(https://www.youtube.com/watch?v=1jMbrRmSoWE&t=9150s)
Die „Satire“-Sendung von Herrn Böhmermann muss leider noch in einem anderen Kontext betrachtet werden: Dank der Gesundheitspolitik von Lauterbach, Spahn und Co. verschlechtert sich die medizinische Versorgung in Deutschland zunehmend. Patienten warten bis zu 12 Monate auf einen Facharzttermin, bis zu 6 Monate auf Bildgebung bei Krebsverdacht und bis zu 9 Monate auf dringende Operationen. Hausärzte können kaum noch neue Patienten annehmen, wenn ein Kollege in Rente geht, so dass viele ohne Hausarzt dastehen. Und wenn sie dann doch mal einen Termin bekommen, dann hat der Arzt maximal 7 Minuten pro Patient Zeit – mehr zahlt die Krankenkasse nicht. Wer allen Ernstes meint, man könne innerhalb von 7 Minuten eine ausreichend detaillierte symptombezogene Anamnese erheben, geschweige denn eine zumindest symptombezogene ausreichend genaue Untersuchung durchführen, hat keine Ahnung von Medizin.
Was macht also ein Patient, der in diesem Gesundheitssystem allein gelassen wird, wenn er nicht irgendwann in den völlig überfüllten Notaufnahmen landen will, in denen man z. T. mit einem akuten Herzinfarkt oder Schlaganfall 8 Stunden warten muss, bis man mal von einem Arzt gesehen, geschweige denn behandelt wird? Er kümmert sich eigenverantwortlich um seinen Gesundheit und geht zur Vorsorge vor schwereren Erkrankungen und zur Behandlung von nicht hoch-akuten Beschwerden da hin, wo er einen Termin bekommt, wo er Zeit hat, seine Symptome ausführlich zu beschreiben, wo ihm jemand zuhört, der ihn ernst nimmt und nach einer Möglichkeit sucht, diesem Patienten mit diesen Symptomen zu helfen. Wenn der Patient das beim Arzt und auf Krankenkassen-Kosten bekommen könnte, würde er zum Arzt gehen. So muss er wohl oder übel als Selbstzahler zum Heilpraktiker gehen. Das ist die Konsequenz der systematischen Zerstörung unserer ehemals guten Gesundheitsversorgung. Und dafür sind nicht die Heilpraktiker verantwortlich, sondern die Politik.
Und hier schließt sich der Kreis zu Herrn Böhmermann. Nein, als Politiker werden wir ihn sicher nicht bezeichnen. Aber als jemanden, der im Auftrag bestimmter politischer Strömungen sogenannte „hit pieces“ verfasst. Als „hit piece“ bezeichnet man im Englischen gezielten Rufmord an Einzelpersonen oder Personengruppen in Form von Zeitungsartikeln oder Fernsehbeiträgen, um diese Personen oder Gruppen zu diskreditieren und dadurch einer Auseinandersetzung mit ihren sachlichen Argumenten auszuweichen, da man selbst keine Argumente hat.
Herr Böhmermann hat von diesen „hit pieces“ schon einige verbrochen. Seine politische Gesinnung ist hinlänglich bekannt. Und wie durch „Zufall“ kommt dieses „hit piece“ direkt nach dem Parteitag der Grünen, auf dem man sich für einen erneuten Angriff auf die Naturheilkunde begeistert hat und ausgerechnet die Mittel abschaffen will, die tatsächlich keinen Schaden anrichten können: Homöopathika.
(https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gruene-aendern-kurs-bei-homoeopathie-160878/)
In diesem Kontext betrachtet ist die Bezeichnung „Satire“ für das, was Herr Böhmermann da abgeliefert hat, reiner Hohn. Tatsächlich sollten Heilpraktiker und naturheilkundlich arbeitende Ärzte Herrn Böhmermanns Worte zu ihrem neuen Werbeslogan machen:
„Wenigstens bringt die Naturheilkunde niemanden um –
bei der Schulmedizin kann man sich da leider nicht sicher sein.“
![]()
Dieses Werk ist lizenziert unter einer
Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.